Das pure Glück

Er stürzt sich mit den Skiern die steilsten Hänge der Region hinunter, streift mit dem Gleitschirm die höchsten Berggrate, gräbt sich unter Gletscher, um dort ein Fondue zu verspeisen, geht nach der Arbeit stundenlang wandern oder campt in traumhafter Natur und steht im Morgengrauen auf, um pünktlich zur Arbeit zu erscheinen.


Auf dem Weg zum Interview steigt er die 2 Stockwerke des Gebäudes mit grossen Schritten hoch, ohne auch nur im geringsten ausser Atem zu sein. Basile Marclay, ein Ass der Steilabfahrten und unbändiger Abenteurer, überrascht auf den ersten Blick mit einer Natürlichkeit, die nur noch wenige junge Leute seines Alters haben. Der 22-Jährige mit seinen kleinen, schmalen Brillengläsern hat einen offenen Blick, der durch ein breites Lächeln unterstrichen wird. Dabei strahlt der junge Mann nicht nur Gesundheit, Authentizität und grosszügige Einsatzbereitschaft aus, sondern auch die Freude, die ihm das Erzählen von seinen Erinnerungen an sportliche Erlebnisse bereitet.

« Sie fahren mitten im Winter Motorrad? » Die Frage überrascht ihn, obwohl er seinen Helm unter dem Arm hat. Als ob das Motorradfahren per se an eine Jahreszeit gebunden wäre. « So lange die Strassen befahrbar sind, nutze ich das aus. » Nach kurzer Zeit fällt auf, dass allein schon diese scheinbar gewöhnliche Antwort seinen Charakter zum Ausdruck bringt: Geniessen, was uns die Natur schenkt.

Basile ist Schreiner bei der Firma Gex-Fabry in Val-d'llliez, wo er auch ausgebildet wurde. Er ist ständig im Freien und auf den Baustellen, er liebt es, seine Umgebung mit allen Sinnen wahrzunehmen, die Natur, in der er aufgewachsen ist, wieder und wieder zu bewundern und gemütlich mit Passanten zu plaudern. Immer, wenn er Lust hat, flüchtet er sich nach der Arbeit mit ein oder zwei Freunden in die Berge. Nach mehreren Stunden Wanderung schlagen die die Abenteurer dann ihr Nachtlager auf und geniessen einen schönen Sonnenuntergang über den Dents du Midi oder die klare Sicht auf den Sternenhimmel. Am frühen Morgen brechen sie schnell auf, um nicht zu spät zur Arbeit zu kommen.

Basile ist ein aktiver Mensch. Er verbringt jede Silvesternacht draussen. Letztes Jahr ist er mit ein paar Freunden zu einer Eishöhle in den Dents du Midi losgezogen. Vier Stunden Schneeschaufeln waren nötig, um einen Zugang zu finden und schliesslich unter die dicke Eisschicht zu gleiten. Unter dem Gletscher fuhren sie ein paar Abfahrten mit den Skiern und feierten dann gemeinsam das neue Jahr bei einem leckeren Fondue. (Youtube, Emmanuel Pignat).
 

Dann folgen mehrere enge Schluchten und schrecklich steile und schmale Bergschultern

BASILE MARCLAY

2016 planen Basile Marclay und sein treuer Begleiter aus Val-d'llliez, Steven Avanthay, an den Flanken der Dents du Midi eine Strecke mit aussergewöhnlich steilen Hängen. Steven fasst das Abenteuer mit seinem Kumpan in einem Blog zusammen: « Diesmal ist es geschafft!!! Eine neue Linie an der Nordwand der Haute-Cime. Abfahrt vom Bergkreuz mit den Skiern an der Südseite bis zum Eingang des Korridors. Dann folgen mehrere enge Schluchten und schrecklich steile und schmale Bergschultern. Wir müssen uns 40 Meter tief mit den Skiern an den Füssen abseilen. Weiter unten, am Ende der Doigts-Schlucht, die wir kurz vor dem Kegel erreichen, treffen wir auf fantastische steile Hänge.... Wir packen diese Abfahrt, die zu den schwierigsten gehört, die wir jemals erlebt haben, ganz toll mit meinem Freund Basile. Beste Bedingungen und tolle Atmosphäre. Wir sind einfach nur glücklich ». « Wie schaffen Sie es, keine Angst zu haben? » Die Antwort kommt prompt: « Wir haben die Strecke Monate im Voraus geplant. Wir haben auf den perfekten Tag gewartet und sind dann losgedüst. » Basiles Blick geht unwillkürlich zum Berg, als er sich an seine Leistung erinnert, und er sagt: « Wenn sich die Skier überkreuzen, ist es aus! ». Dann erzählt er: « Meine erste steile Schlucht bin ich mit 11 Jahren gefahren, auf dem Dent Jaune. Man kann also sagen, dass ich darauf oder darin geboren bin, wie Sie wollen.... »

Im Laufe seiner Kindheit in Champéry wird der Abenteurergeist des kleinen Basile durch die Naturschätze der Region geweckt. Heute geht er das ganze Jahr über Bergsteigen, Klettern und Gleitschirmfliegen, denn all dies kann natürlich mit dem Skifahren kombiniert werden. « Ich liebe Gleitschirmfliegen, ich fliege im ganzen Wallis, und wenn ich in der Nähe bleiben will, fliege ich um die Dents du Midi. Für längere Flüge fahre ich zuerst nach Verbier, Fisch oder Villars. Ich nutze Anlagen wie die Massettes, um die Portes du Soleil mit Skiern oder Gleitschirm zu umrunden, natürlich auch auf der französischen Seite, und gehe bei Les Crosets wieder herunter. » Auch beim Mountainbiken kann er die weiten Gebiete der Region erkunden.

Schliesslich gibt Basile zu, dass nicht gerne an Turnieren teilnimmt. Dabei war er 2016 Sieger der Parad'llliez, einer Kombination aus Wandern und Gleitschirmfliegen. Im März 2017 gewann er die Bataille des Bosses in Chavanette dank einer unerwarteten Begebenheit. « Im Finale stand ich einem Typen gegenüber, der so siegessicher war, dass er ein Tor vergass. Mit dem Ergebnis, dass ich Erster wurde, weil mein Gegner zurückgestuft wurde ». Er bricht in Lachen aus.