Der passionierte Biker

Ben Walker ist ein weltweit bekannter Mountainbike-Fahrer, der neue Strecken in der Region Dents du Midi festlegt. Der 39-jährige Amerikaner verliebte sich in dieses Gebiet, als er Anfang 2000 in die Schweiz kam.


Seither optimiert er die Routen ständig. Seine fröhlich abstehenden Haare werden von einem Baseballcap mit breiter Blende gebändigt. Sein Bart schimmert hier und da schon weiss. Seine klaren Augen sind auf der Suche nach einem Funken, einer Inspiration oder warten einfach auf die nächste Frage, die er ebenso weit antizipiert wie die Konturen des Geländes, in dem er eine Mountainbike-Strecke festlegt - eine der Funktionen, die er bei der Region Dents du Midi innehat.

Mit 39 Jahren, zur Jahrtausendwende, kam der Amerikaner in Portes du Soleil an. Bereits damals vermittelt er in den Filmen und Magazinen ein besonderes Image. Doch tief im Inneren fühlt er sich leer. « Es war 1998 oder 1999. Ich war in Alaska und lebte in meinem Pickup mit meinem Fahrrad und meinem Snowboard im Kofferraum. Die Umgebung war fantastisch, aber es fehlten die entscheidenden Reize von aussen. » Damit beginnt eine Reise, die den aus Arizona stammenden jungen Mann zu einer Referenz des Mountainbike-Sports im Chablais machen wird. Um seinen Horizont zu erweitern, lebt er eine Weile in Costa Rica, wo er Corinne trifft, seine zukünftige Frau.

« Eine Deutschschweizerin, mit der ich sofort ein Herz und eine Seele war. Wir sind fast überall herumgekommen, aber sie schien nicht beeindruckt zu sein von den Landschaften, die sie mit mir bereiste. Als sie mir dann die Alpen zeigte, wusste ich warum », lächelt er. « Und als darum ging, wo wir uns niederlassen wollten, haben wir beide gleich an diese Region gedacht. »

Sie leben zunächst in Châtel und landen schliesslich zu Füssen der Dents du Midi. Es geschah beinahe zufällig: « Ich suchte ein Video über Snowboarden, konnte es aber nicht in die Finger bekommen. » Seine Suche führt ihn in ein Fachgeschäft in Champéry, wo er sofort einen besonderen Elan spürt. Bei jedem Treffen entdeckt er mit seinem Downhill-Bike ein Stückchen mehr von dem Gebiet. Dank seiner Erfahrung im Moto Cross verfügt er über umfassende technische Kenntnisse und ist bald Teil dieser Gruppe, die von dem traditionellen angelsächsischen Ambiente meilenweit entfernt ist. « Ich konnte kein Wort Französisch, aber bei diesen passionierten Bikern fühlte ich mich schnell zu Hause. Ich hatte noch nie ein Dorf gesehen, in dem sich junge Leute so oft trafen, um gemeinsam Sport zu treiben. Sie empfanden sich nicht als Konkurrenten und sahen nicht auf das Equipment der anderen. Wir haben lieber Grillfeste auf den Gipfeln organisiert! » Was Ben nicht daran hindert, das Niveau seiner Sportsfreunde zu beurteilen. « Sie waren sehr gut. »

Neben dem persönlichen Interesses beginnt nun die Phase, die ihn zum «Shaper» der Strecken in der Region machen wird. Die Begegnung mit Roch Schenk - ein Angestellter der Skilifte in Champéry - wird zum zündenden Erlebnis. « Er hat mich für Vorführungen angeheuert. Auch der Direktor von TeleMorgins, Jacques Nantermod, hat sich an mich gewandt, um an den Mountainbike-Strecken von Morgins zu arbeiten. »
 

Auf dem Gran Paradiso wurde mir klar, dass ich den Ort gefunden hatte, an dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollte

BEN WALKER

Sobald es ums Biken geht, kann Ben nicht nein sagen. Es reicht ihm nicht, die Strecken mit Schaufel und die Hacke anzulegen - er nutzt auch seine Kenntnisse im Finanzwesen. « Ich hatte die Idee, die variablen Kosten zu reduzieren, auch wenn dies mit steigenden Fixkosten verbunden war. » Diese Sprache verstehen die Akteure im Tourismussektor, und er gewinnt immer mehr an Autonomie. Bald will er die Besucherzahl erhöhen.

« Einerseits ist da die praktische Arbeit. Ein Anfänger fährt ein oder zwei Abfahrten, ein Typ, der eine bessere Technik draufhat, fährt gleich zehn. Das Potenzial kann gesteigert werden, wenn wir dieses Publikum erreichen. » So kommt es dazu, dass die ersten Holzstege in der Region gebaut werden. Sie führen gleichzeitig zu Überlegungen zum Image - ein Feld, in dem er sich schon beweisen konnte. « Ich fand eine Produktionsfirma, mit der ich einen Vertrag ausgehandelt habe, und wir haben ein Video gedreht, das in nur einem Jahr 53 Millionen Mal angeklickt wurde. Dadurch konnten wir noch mehr Leute anziehen. » Ben kann weiterhin von seiner Leidenschaft leben. Was er auch heute noch tut.

Der junge Mann mit der Wahlheimat Champéry glaubt zu 100% an die Zukunft des Mountainbikens, von der Gestaltung der Wege über die Verbesserung der Fahrräder bis hin zur Weitergabe seines Wissens. « Es lohnt sich, diese Marktnische wie ein Unternehmen zu führen, indem man den Ridern Lust aufs Biken macht und ihnen ein tolles Gebiet dafür liefert. Sie sind Konsumenten, genau wie die Skifahrer. Es liegt an uns, alle Trümpfe auszuspielen: Wir können keine Quantität bieten, ausserdem sind die Schweizer Preise ziemlich hoch und die Umweltgesetze streng, dafür können wir aber Qualität bieten. »

Mit seinem neuen Team hat er eine klare Vorstellung von den Strategien, die er ausarbeiten will. « Für Biker mit hohem Niveau und Enduro-Mountainbiker ist schon alles da. Unsere Strecken sind anerkannt und ihre Instandhaltung wird geschätzt. Allerdings sollte das Angebot für Familien erhöht und der Fluss auf den Strecken verbessert werden. Wir haben alles in der Hand, um noch besser zu werden und gleichzeitig unsere Authentizität zu bewahren. »

Als er das erste Mal den Gran Paradiso betrat, fühlte Ben, dass der Groschen fiel: « Das Moos auf den Bäumen war wie ein Zeichen für mich. Und obwohl ich viel herumgereist war, verstand ich, dass ich jetzt den Ort gefunden hatte, an dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollte. Seither habe ich meine Meinung nie geändert. »